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Ratgeber · ca. 3 Min. Lesezeit

Bauen in NRW — was du als Bauherr wissen musst

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland — und hat eine der modernsten Landesbauordnungen. Von der BauO NRW 2018 über digitale Bebauungspläne bis zu den Besonderheiten bei Abstandsflächen: Hier findest du alles, was du als Bauherr in NRW wissen musst.

Die BauO NRW 2018 — Grundlage für dein Bauvorhaben

Die Landesbauordnung NRW (BauO NRW 2018) regelt alles, was das Bundesrecht (BauGB und BauNVO) nicht abdeckt: Abstandsflächen, Baugenehmigungsverfahren, verfahrensfreie Vorhaben, Stellplatzverpflichtungen und Brandschutz. Seit der Reform 2018 gilt in NRW ein einheitlicher Abstandsflächen-Faktor von 0,4 (§ 6 Abs. 5 BauO NRW) — in Gewerbe- und Industriegebieten sogar nur 0,2. Bei einem 8 m hohen Gebäude brauchst du also mindestens 3,2 m Abstand zur Grundstücksgrenze. Wichtig: Der Mindestabstand beträgt immer 3 m, auch wenn die Berechnung einen kleineren Wert ergibt. In Kerngebieten und bei geschlossener Bauweise gelten Sonderregeln.

Genehmigungsverfahren in NRW — drei Wege zum Ziel

NRW kennt drei Genehmigungsverfahren: (1) Genehmigungsfreie Vorhaben (§ 62 BauO NRW): Garagen bis 100 m², Gartenhäuser bis 75 m³, Terrassenüberdachungen bis 30 m² — hier brauchst du keinen Bauantrag, musst aber trotzdem alle Vorschriften einhalten. (2) Einfaches Genehmigungsverfahren (§ 64 BauO NRW): Standard für Wohngebäude. Das Bauamt prüft nur die planungsrechtliche Zulässigkeit. Bearbeitungszeit: 4-8 Wochen in gut organisierten Ämtern, bis zu 12 Wochen in überlasteten. (3) Normales Genehmigungsverfahren (§ 65 BauO NRW): Für Sonderbauten. Umfassende Prüfung, 3-6 Monate. Tipp: Seit 2022 bieten viele NRW-Kommunen die digitale Bauantragstellung über das Bauportal.NRW an — das beschleunigt die Bearbeitung oft um 2-3 Wochen.

Typische GRZ- und GFZ-Werte in NRW-Kommunen

NRW ist urban geprägt — die GRZ- und GFZ-Werte spiegeln das wider. Einfamilienhausgebiete am Stadtrand (WA): typisch GRZ 0,3-0,4, GFZ 0,5-0,8. Innerstädtische Mischgebiete (MI): GRZ 0,4-0,6, GFZ 0,8-1,2. Neubaugebiete in Rhein-Ruhr-Randlagen: oft GRZ 0,4, GFZ 0,8, II Vollgeschosse, offene Bauweise. Verdichtungsgebiete (z.B. Düsseldorf Bilk, Köln Ehrenfeld): GRZ 0,6-0,8, GFZ 1,6-2,4, IV-V Vollgeschosse. Die Grunderwerbsteuer in NRW liegt bei 6,5% — dem Höchstsatz in Deutschland. Bei einem Grundstück für 200.000 EUR zahlst du also 13.000 EUR Grunderwerbsteuer. Auf darfichbauen.de findest du die konkreten Festsetzungen für viele B-Pläne in NRW — digital ausgelesen und übersichtlich aufbereitet.

KRZN-Daten und Digitalisierungsstand

NRW hat beim Thema digitale Bebauungspläne eine Sonderstellung: Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) betreibt eine XPlanungsplattform, über die mehrere Kreise ihre B-Pläne als maschinenlesbare XPlanGML-Daten bereitstellen — darunter Kleve, Viersen, Wesel, Krefeld und Mettmann. Zusätzlich liefert der Regionalverband Ruhr (RVR) Plandaten für die Metropole Ruhr, und die Stadt Aachen betreibt einen eigenen XPlanBox-Server. Diese Daten nutzen wir auf darfichbauen.de, um dir die Festsetzungen direkt anzeigen zu können — ohne dass du PDFs durchsuchen musst. Für Kommunen, die noch keine digitalen Plandaten liefern, zeigen wir den Geltungsbereich und verweisen auf das zuständige Bauamt.

Stellplätze und Fahrradabstellplätze in NRW

Die Stellplatzpflicht in NRW ist kommunal geregelt — es gibt keine landesweite Stellplatzsatzung. Die meisten NRW-Kommunen verlangen 1-1,5 Stellplätze pro Wohneinheit. Seit der BauO NRW 2018 ist auch die Pflicht zur Herstellung von Fahrradabstellplätzen verankert (§ 48 BauO NRW). Typisch: 2 Fahrradstellplätze pro Wohneinheit. Die Ablösesumme für nicht herstellbare Kfz-Stellplätze liegt je nach Kommune bei 5.000-15.000 EUR. In Düsseldorf sind es z.B. 12.500 EUR, in Köln bis zu 15.000 EUR pro Stellplatz. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 8 Wohneinheiten können die Stellplatzkosten (ob gebaut oder abgelöst) schnell 50.000-120.000 EUR erreichen — plane das in dein Budget ein.

Besonderheiten beim Bauen in Überschwemmungsgebieten (NRW)

NRW ist durch Rhein, Ruhr, Lippe und viele weitere Flüsse geprägt — Hochwasserschutz ist hier besonders relevant. Nach der Hochwasserkatastrophe 2021 im Ahrtal und an der Erft gelten verschärfte Auflagen. Über ELWAS-WEB (Elektronisches wasserwirtschaftliches Verbundsystem NRW) kannst du kostenlos prüfen, ob dein Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt. In festgesetzten Überschwemmungsgebieten ist Neubau grundsätzlich verboten (§ 78 WHG). Auch in Risikogebieten (HQ100) können erhebliche Auflagen gelten: hochwasserangepasste Bauweise, kein Keller, Rückstauklappen. Tipp: Auch die Starkregengefährdungskarten deiner Kommune sind relevant — sie zeigen Risiken jenseits der klassischen Flusshochwasser.

Nächste Schritte

Prüfe mit dem Grundstücks-Check welche Bebauungspläne für dein Grundstück gelten. Mit dem GRZ/GFZ-Rechner berechnest du die bebaubare Fläche, und der Baukosten-Rechner zeigt dir die geschätzten Gesamtkosten. Aktuelle Bodenrichtwerte findest du für 9 Bundesländer.

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