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Ratgeber · ca. 3 Min. Lesezeit

Bebauungsplan vs. Flächennutzungsplan — was ist der Unterschied?

Bebauungsplan und Flächennutzungsplan klingen ähnlich — sind aber grundverschieden. Der eine ist verbindlich und sagt dir genau, was du auf deinem Grundstück bauen darfst. Der andere ist ein grober Rahmenplan für die ganze Gemeinde. Hier erfährst du, wann welcher Plan gilt und was das für dein Bauvorhaben bedeutet.

Der Flächennutzungsplan (FNP) — die vorbereitende Bauleitplanung

Der Flächennutzungsplan ist in § 5 BauGB geregelt. Er zeigt für das gesamte Gemeindegebiet, welche Flächen wie genutzt werden sollen: Wohnbauflächen (W), gemischte Bauflächen (M), gewerbliche Bauflächen (G), Sonderbauflächen (S), Grünflächen, Verkehrsflächen, Flächen für die Landwirtschaft. Der FNP ist vorbereitend — er entfaltet keine unmittelbare Rechtswirkung für Grundstückseigentümer. Du kannst aus dem FNP nicht direkt ableiten, ob du auf deinem Grundstück bauen darfst. Was der FNP dir aber verrät: die grundsätzliche Entwicklungsrichtung. Steht dein Grundstück im FNP als 'Fläche für die Landwirtschaft', wird dort in absehbarer Zeit kein B-Plan für Wohnbebauung aufgestellt.

Der Bebauungsplan (B-Plan) — die verbindliche Bauleitplanung

Der Bebauungsplan ist in § 8 BauGB geregelt und wird aus dem Flächennutzungsplan 'entwickelt' (§ 8 Abs. 2 BauGB). Das heißt: Ein B-Plan darf den Zielen des FNP nicht widersprechen. Der B-Plan ist verbindlich — er legt parzellenscharf fest, was auf welchem Grundstück gebaut werden darf: Gebietstyp (WA, MI, GE...), GRZ, GFZ, Vollgeschosse, Bauweise, Baugrenzen, Dachform und mehr. Grundstückseigentümer und Baubehörden sind an seine Festsetzungen gebunden (§ 30 BauGB). Ein qualifizierter B-Plan enthält mindestens Festsetzungen zu Art und Maß der baulichen Nutzung, überbaubarer Grundstücksfläche und örtlicher Verkehrsfläche.

Wann gilt welcher Plan?

Es gibt drei Situationen: (1) Dein Grundstück liegt im Geltungsbereich eines qualifizierten B-Plans → der B-Plan gilt, Genehmigung nach § 30 BauGB. Das ist der einfachste Fall. (2) Kein B-Plan, aber das Grundstück liegt innerhalb eines zusammenhängend bebauten Ortsteils → es gilt § 34 BauGB (Einfügungsgebot). Dein Vorhaben muss sich in die Umgebung einfügen. Der FNP kann hier als Indiz für die Art der baulichen Nutzung herangezogen werden (§ 34 Abs. 2 BauGB). (3) Außenbereich → es gilt § 35 BauGB. Hier ist Bauen grundsätzlich nur für privilegierte Vorhaben erlaubt (Landwirtschaft, Windenergie etc.). Der FNP kann als 'öffentlicher Belang' gegen ein Bauvorhaben sprechen.

Entwicklungsgebot — wie B-Plan und FNP zusammenhängen

Das Entwicklungsgebot (§ 8 Abs. 2 BauGB) ist die wichtigste Verbindung: Ein B-Plan muss aus dem FNP entwickelt werden. Stellt der FNP eine Fläche als 'Wohnbaufläche' dar, kann der B-Plan dort ein WA- oder WR-Gebiet festsetzen — aber kein Gewerbegebiet. In der Praxis gibt es Ausnahmen: Der B-Plan kann vor dem FNP aufgestellt werden (§ 8 Abs. 4 BauGB, 'vorzeitiger B-Plan'), und bei kleineren Abweichungen kann der FNP im Wege der Berichtigung angepasst werden, ohne ein neues FNP-Verfahren durchzuführen. Für dich als Bauherr heißt das: Wenn der FNP eine Fläche als Wohnbaufläche zeigt, aber noch kein B-Plan existiert, ist die Chance gut, dass langfristig ein B-Plan für Wohnnutzung kommt — aber einen Rechtsanspruch hast du darauf nicht.

Praxis-Beispiel: Was dir der FNP beim Grundstückskauf verrät

Du findest ein günstiges Grundstück am Ortsrand, kein B-Plan vorhanden. Der FNP zeigt die Fläche als 'Wohnbaufläche (W)'. Gutes Zeichen — aber noch keine Garantie. Ohne B-Plan gilt § 34 BauGB (wenn innerhalb des Ortsteils) oder § 35 BauGB (wenn Außenbereich). Prüfe: Gibt es einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan? Das wäre ein starkes Signal, dass bald ein verbindlicher Plan kommt. Zeigt der FNP dagegen 'Fläche für die Landwirtschaft' und das Grundstück liegt im Außenbereich? Dann wirst du dort kein Wohnhaus bauen dürfen — auch nicht mit Bauvoranfrage. Tipp: Auf darfichbauen.de kannst du prüfen, ob für dein Grundstück ein B-Plan existiert. Den FNP findest du über das Geoportal deiner Gemeinde.

Nächste Schritte

Prüfe mit dem Grundstücks-Check welche Bebauungspläne für dein Grundstück gelten. Mit dem GRZ/GFZ-Rechner berechnest du die bebaubare Fläche, und der Baukosten-Rechner zeigt dir die geschätzten Gesamtkosten. Aktuelle Bodenrichtwerte findest du für 9 Bundesländer.

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